Virginia Woolf
The String Quartet (1921)

Virginia Woolf, geboren am 25. Januar 1882 in London und von eigener Hand gestorben am 28. März 1941 in Sussex, gehört zu den berühmtesten britischen Schriftstellerinnen nicht nur des 20. Jahrhunderts. Gemeinsam mit James Joyce ist sie eine der prominentesten Verwenderinnen der Erzähltechnik des sogenannten »stream of conciousness«, also eines mehr oder minder unstrukturiert wiedergegebenen »Bewusstseinsstroms«, der auch ihre im Jahr 1921 in der Sammlung Monday or Tuesday (»Montag oder Dienstag«) veröffentlichte Kurzgeschichte The String Quartet (»Das Streichquartett«) kennzeichnet. Ist die Verbindung von Musik und Literatur auch für das gesamte Werk Woolfs charakteristisch, so lässt sie sich doch in dieser frühen Erzählung besonders deutlich beobachten. Dabei handelt es sich hier um weit mehr als einen Zufall. Im Jahr 1940 wird die Autorin in einem Brief an eine Freundin bemerken: »I always think of my books as music before I write them.« (»Ich stelle mir meine Bücher stets als Musik vor, ehe ich sie schreibe.«)

Die Ich-Erzählerin, deren Bewusstseinsstrom wir als Leser verfolgen können, besucht ein Konzert des titelgebenden Streichquartettes und unterhält sich bei dieser Gelegenheit mit anderen Zuhörern. In den Strom ihrer Empfindungen und Gedanken mischen sich immer wieder Bruchstücke dieser Gespräche. Als das Konzert beginnt (»an early Mozart« – »ein früher Mozart«, wie ein anderer Zuhörer bemerkt), vermittelt uns Woolf auch die Musik ganz unmittelbar, indem sie sie geradezu literarisch inszeniert. Am Ende lässt uns die Erzählerin ebenso wie ihren offenbar unerwünschten Begleiter auf der Straße zurück.

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