James Joyce
A Mother (1914)

James Joyce, geboren am 02. Februar 1882 in der irischen Hauptstadt Dublin und gestorben am 13. Januar 1941 in Zürich, ist vor allem für sein epochales Werk Ulysses aus dem Jahr 1922 berühmt – nach einem Bonmot Harry Levins, der sich an H. G. Wells anlehnt, nicht weniger als »a novel to end all novels« (»ein Roman, alle Romane zu beenden«). Schon im Jahr 1914 veröffentlicht Joyce nach längeren Aufenthalten in Paris und Triest die Kurzgeschichtensammlung Dubliners (»Dubliner«). In 15 Miniaturen, die bereits einige Jahre vor der Veröffentlichung fertiggestellt waren, aber lange Zeit keinen Verleger fanden, kreiert Joyce ein kritisches Bild der Dubliner Gesellschaft, insbesondere der oberen Mittelschicht, an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. James Joyce selbst hat in einem seiner Briefe eine Einteilung der Kurzgeschichten in die vier Gruppen »childhood« (»Kindheit«), »adolescence« (»Adoleszenz«), »maturity« (»Erwachsenenalter«) und »public life« (»öffentliches Leben«) nahegelegt.

A Mother (»Eine Mutter«), die 13. Erzählung der Sammlung, rechnet zur letztgenannten Gruppe. Sie handelt von der titelgebenden Mutter Mrs. Kearney, die im Zuge der Irischen Renaissance versucht, ihre Tochter Kathleen als Pianistin zu etablieren und dabei insbesondere deren traditionellen Vornamen zu nutzen. Im Rahmen einer nur mäßig gut organisierten und entsprechend nur mäßig erfolgreichen Konzertreihe steht sich die nationalistisch gesinnte Mrs. Kearney dabei mit ihrem übersteigerten Ehrgeiz einerseits und ihrem Mangel an Souveränität andererseits selbst im Weg. Und so beendet sie gleich bei der ersten sich bietenden Gelegenheit unfreiwillig Kathleens Karriere, bevor diese richtig begonnen hat. In der tragikomischen Erzählung verarbeitet Joyce sowohl konkrete eigene Erlebnisse mit dem Dubliner Kulturleben als auch politische Themen.

Zu Virginia Woolf, The String Quartet (1921).