Marcus Tullius Cicero
Somnium Scipionis (De re publica 6.9–29) (51 v. Chr.)

Marcus Tullius Cicero, geboren am 03. Januar 106 v. Chr. in Arpinum (heute Arpino, etwa 100 km östlich von Rom) und ermordet am 07. Dezember 43 v. Chr. in der Küstenstadt Formiae (heute Formia, im Süden der Region Latium), war Jurist, Politiker, Redner, Philosoph und Schriftsteller in der Spätphase der römischen Republik und ist heute für seine politischen und philosophischen Schriften ebenso berühmt wie für seine Reden und seine in großem Umfang erhaltenen Briefe. Ciceros staatsphilosophisches Hauptwerk De re publica aus dem Jahr 51 v. Chr., dessen Titel entweder – wörtlicher – mit »Über die öffentlichen Angelegenheiten« oder – sinngemäßer – mit »Über das Gemeinwesen« oder aber – modernisierend – mit »Über den Staat« übersetzt werden kann, ist uns nur teilweise überliefert. Eine Abschrift, die aus dem vierten oder fünften Jahrhundert nach Christus stammt und Bruchstücke im Umfang von etwa einem Viertel des Gesamttextes enthält, wurde im Jahr 1820 im Vatikan gefunden und befindet sich heute als Exponat Vat. lat. 5757 in der dortigen Apostolischen Bibliothek. Cicero stellt in De re publica in Dialogform Überlegungen zur Verfassung eines Staates, insbesondere Roms, vor und lässt die auftretenden Gesprächsteilnehmer zu dem Ergebnis kommen, dass eine gemischte Verfassung die beste Staatsform darstellt.

Den Schlussteil des sechsten Buches und damit des gesamten Werkes bildet ein Bericht des Dialogpartners Scipio des Jüngeren (Scipio Aemilianus) über einen Traum, den er als Militärtribun in der Provinz Africa am Hof des numidischen Königs Masinissa gehabt haben will: das »Somnium Scipionis«, der »Traum des Scipio« (De re publica 6.9–29). Nach einem langen Gespräch mit Masinissa, in dem dieser unter anderem von Scipios verstorbenem Großvater Scipio dem Älteren (Scipio Africanus) berichtet hat, ist ihm sein Großvater im Traum erschienen. Dieser hat gemeinsam mit ihm auf den Kosmos geschaut und ihn aufgeklärt über die Beschränktheit des Ruhmes auf der Erde, den Lauf der Planeten, die Sphärenharmonie und die Möglichkeit, als Mensch einen Platz im Himmel zu erlangen. Auch Scipios Vater Lucius Aemilius Paullus tritt auf. Als sein Großvater verschwindet, wacht Scipio auf. Sein Traum und Ciceros Werk sind zu Ende.

Zu Plinius, Epistula ad Tacitum.